Das Geleucht des Bergmannes
Wissenswertes und Geschichtliches
Geleucht nennt der Bergmann alle die Hilfsmittel, deren er sich bedient, um im Bergwerk sehen zu können. Begleitet ihn das Licht die ganze Schicht über und leuchtet seinen individuellen Arbeitsplatz aus, zählt es zum tragbaren Geleucht. Leuchtet es permanent einen Teil des Grubengebäudes aus, ohne daß es während der Schichtzeit zu einem Ortswechsel kommt, so wird das Geleucht als ortsfest bezeichnet.
Tragbares und ortsfestes Geleucht wird weiter in Flammlampen und elektrische Lampen unterteilt. Die Flammlampen wiederum gliedern sich in offenes und geschlossenes Geleucht. Weiterführende Unterscheidungen werden nach den eingesetzten Brennmaterialien gemacht, also nach Holz, Talg, Wachs, Fett, Öl, Karbid oder Benzin wie auch nach den eingesetzten Lampenmaterialien, wie Ton, Eisen, Messing oder Aluminium.
Weiterhin wird nach der Bauart unterschieden. Mit Beginn der ersten industriellen Revolution in den europäischen Ländern entstanden Manufakturen, Fabriken in denen Grubenlampen in großen Mengen gefertigt wurden. In den europäischen Bergrevieren wurden einige wenige Grundformen von den Herstellern unterschiedlich abgewandelt, so daß zur exakten Bestimmung auch noch die Nennung des Herstellers und des speziellen Lampentyps gehört.
Licht läßt den Menschen seinen Lebensraum erkennen. Wann immer er den Tag verläßt, ist er auf den Gebrauch künstlichen Lichtes angewiesen. Von Berufs wegen begibt sich der Bergmann “vom Tage zur Nacht”, wenn er seinen Arbeitsplatz in der Erde aufsucht. Der Weg vom und zum Einsatzort wie der Arbeitsplatz selbst werden ihm durch künstliche Lichtquellen ausgeleuchtet.
Das Geleucht erfüllt hierbei verschiedene Aufgaben: Dem Träger ermöglicht es das Sehen in der Finsternis des Berges. Gleichzeitig sorgt es dafür, daß sein Träger gesehen wird. Dieser kann zudem mit Hilfe verabredeter Bewegungen der Lichtquelle Signale übermitteln. Schließlich warnt die offene Flamme den Bergmann vor matten oder schlagenden Wettern.
Die Anforderungen des Bergmannsberufes in ihrer jeweiligen Zeit bestimmten die Entwicklung des Geleuchtes. Sicherheit in der Handhabung und beim Gebrauch, Verbesserung der Lichtausbeute sowie Wirtschaftlichkeit beim untertägigen Einsatz waren einige der Faktoren, die im Laufe der Montangeschichte zu typischen Lampenformen führten. Variationen hiervon in den einzelnen Bergrevieren und eine Vielzahl von Herstellern führten zu einer Formenvielfalt, die im historischen Rückblick ein Indiz für die ständige Entwicklung der Bergtechnik ist. Wanderungen der Bergleute von einem Bergrevier zum anderen sowohl aus wirtschaftlichen wie auch aus politischen Gründen führten zu Vermischungen von reviertypischem Geleucht, die eine exakte Bestimmung erschweren, ja sogar zum Teil unmöglich machen.
Mit dem Übergang des Bergbaus von der Pinge an der Tagesoberfläche in die Tiefe bediente sich der Bergmann der Urzeit der Beleuchtungsformen, die seiner Entwicklungsepoche entsprachen. Dabei überdauerten bestimmte Formen ohne große Änderungen auch bis in das 20. Jahrhundert hinein.
In den Anfängen des Bergbaus brachten brennende Zweige und Äste Licht in die Dunkelheit der Gruben. Wegen des schlechten Brennverhaltens und der großen Rauchentwicklung bei massiven Ästen bedeutete die Einführung von Kienspänen schon einen Schritt vorwärts in der Entwicklung. Aus dem Tiroler Salzbergbau der Zeit um 1000 v.Chr. ist von Leuchtspänen durchsetztes “Heidengebirge” bekannt. Um das Tragen von Kienspänen zu erleichtern, wurden im alpinen Raum tönerne oder später eiserne Kienspanhalter entwickelt, von denen die ältesten Fundstücke aus dem 13. Jahrhundert stammen.
Abgelöst wurden die Kienspäne durch Kerzen, die anfangs noch aus Talg, später dann aus Stearin oder Paraffin bestanden. Während Kerzengeleucht in Zentraleuropa nur eine untergeordnete Rolle spielte, kam ihm in angelsächsischen Ländern große Bedeutung zu. Hier stand das Kerzengeleucht in den Metallerzgruben gleichgewichtig neben Öllampen bis in das 20. Jahrhundert hinein.
Einen Durchläufer in der Geschichte des Geleuchtes stellen Fett- bzw. Öllampen dar, deren Verwendung von 30 000 v.Chr. etwa im englischen Kreidebergbau bis in unsere heutige Zeit nachzuweisen ist. Aus der offenen Schale der Urzeit, in der tierisches Fett mit Hilfe einer pflanzlichen oder tierischen Faser als Docht verbrannt wurde, entwickelten sich Lampen zur Verbrennung pflanzlicher Öle, die in Anpassung an die Bedürfnisse des Bergbaus zu Standardtypen bergmännischen Geleuchtes wurden:
Frösche in Zentraleuropa, Linsenlampen im Mittelmeerraum, Oil Wick Lampen im angelsächsischen Raum.
Bis in das 19. Jahrhundert verlief die Entwicklung langsam, stetig und ohne epochale Veränderungen. Steigerung der Lichtausbeute, Erhöhung der Gebrauchssicherheit sowie Kostensenken standen im Vordergrund. Dann aber, von Beginn des 19. Jahrhunderts an, wurden mehrere Entwicklungssprünge in kurzen Abständen gemacht, die die Weichen für unsere heutige Zeit stellten:
- Die Wetterlampe zum Einsatz in schlagwettergefährdeten Gruben wurde erfunden.
- Mit der Einführung der ersten elektrischen Lampen unter Tage wurde der Grundstein heutiger Beleuchtungstechnik in den Bergwerken gelegt.
- Die Erfindung des Karbids im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts und die Inbetriebnahme des ersten großtechnischen Karbidofens im Jahre 1895 mit nachfolgender Einführung der Karbidlampe führte zur Verdrängung des Öl- und Kerzengeleuchtes.
Die Notwendigkeit hierzu brachten zwei industrielle Revolutionen, in deren Folge der Bergbau intensiviert und in immer größerem Umfang betrieben wurde. In den Steinkohlenbergwerken – Kohle war nach der Erfindung der Dampfmaschine der wichtigste Primärenergieträger – arbeiteten immer mehr Menschen unter Tage in immer größeren Teufen. Bei Katastrophen waren zunehmend mehr Bergarbeiter und ihre Familien betroffen. Bei der Ursachenforschung wurde das offene Geleucht als gefährlich erkannt und nach Abhilfe gesucht.
Carlyle Spedding war um 1750 Erfinder der “Flint and Steel Mill”, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts in englischen Kohlengruben Verbreitung fand. Die Mühle besteht aus einem Eisengestell als Halter für ein Stahlrad, welches mittels Kurbel und einer einstufigen Übersetzung in Drehung versetzt wurde und gegen das der Bedienende einen Feuerstein drückte. Die hierbei entstehenden Funken beleuchteten den Arbeitsort. Im Vergleich mit anderem, Geleucht, etwa den versuchsweise in kleinen Käfigen eingesetzten Leuchtkäfern bzw. Glühwürmchen oder phosphoreszierenden Fischhäuten, stellte Speddings Stahlmühle einen Fortschritt dar, doch auch sie konnte die gestellte Forderung nach Sicherheit nicht erfüllen: Zum einen reichten Dauer und Temperatur der Funken doch aus, ein Gemisch aus Grubengas und Luft zu zünden. Zum anderen war die Lichtausbeute derart gering, daß die Bergleute wieder zum offenen Licht griffen.
In seiner ersten Lampe versuchte Dr. William Reid Clanny daher 1803 durch eine geeignete Konstruktion, ein offenes Licht von der umgebenden Luft abzuschließen, indem er Zu- und Abluft einer Kerze mit Hilfe eines Blasebalges durch ein Wasserbad leitete. Die Lampe funktionierte vom Prinzip her, fand jedoch keine Verbreitung, da sie klobig und schwer war, zudem erforderte sie noch einen ständigen Bedienungsmann. Dr. R. Clanny stellte bis 1815 noch zwei weitere Nachfolgemodelle einfacherer Bauart vor, denen jedoch eine größere Verbreitung vorenthalten war.
Mit der großtechnischen Produktion von Karbid fanden Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Karbidlampen Eingang in den Bergbau. In der Folge lösten sie schnell das traditionelle Ölgeleucht ab, da sie etwa zehnmal so hell brannten und unter Tage betriebsicherer waren.
Ende des 19. Jahrhunderts, mit fortschreitendem Wissen um die Nutzung von Elektrizität, fanden auch die ersten elektrischen Lampen Eingang in den Bergbau. Wegen der verwendeten Werkstoffe Blei und Stahl waren diese Lampen äußerst schwer. So richtete sich die Entwicklung auf zwei Ziele:
1. Verringerung des Gewichtes.
2. Steigerung der Lichtausbeute.
“Kübel-”, “ Panzer-” oder “Akkuleuchten” begleiteten den Bergmann unter Tage bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde während der 20er Jahre eine Alternative individueller elektrischer Beleuchtung entwickelt: Der Akkumulator wurde an den Lampenriemen gehangen, während sich der Lichtgeber am Helm befand. Dieser Lampentyp ist der Vorläufer des heute in den Gruben weltweit benutzten bergmännischen Geleuchtes.
Offener Frosch für Fettbrand
Harz, Deutschland um 1840

Geschlossener Frosch für Ölbrand
Harz, Deutschland um 1840

Geschlossener Frosch für Ölbrand
Saarland, Deutschland um 1870

Linsenlampe
Frankreich, um 1840

Schneeberger Blende für Ölbrand
Sachsen, Deutschland um 1840

Halleiner Blende für Kerzenbrand
Österreich, um 1900

Handschelle für Ölbrand Oberschlesien
Deutschland um 1900

Acetylen Handlampe
Deutschland, um 1930

Acetylen Handlampe
Deutschland, um 1935

Ölsicherheitslampe
Großbritannien, um 1885

Benzin-Sicherheitslampe
Deutschland, um 1900

Akku-Kopflampe
Deutschland, um 1960

Acetylen-Kopflampe
USA, um 1933


